Das Label 58Muzik um die Lüdenscheider Rap-Instanz Absztrakkt, war von Anfang an nicht dafür zuständig, leicht verdaulichen Fastfood-Krampf abzuliefern. Aber für das 4. Album von Labelkollege Questgott braucht man schon ein dickes Fell. Denn wenn er beispielsweise detailliert und ausführlich über seine Erfahrungen und Gedanken zum Selbstmord von Freunden oder dem eigenen Suizid ausbreitet, ist das für ihn offensichtlich eine dringend notwendige Verarbeitung und für den Hörer zuweilen einigermaßen anstrengend. Die melancholischen Streicher- und Pianosamples auf den Beats gestalten dazu eine sehr nachdenkliche Grundstimmung und es kommt einem immer wieder eine verregnete Beerdigungszeremonie in den Sinn. Offenbar spielt Questgott leideschaftlich mit Märtyter-Pathos, man beachte das Cover-Artwork und den Releasetermin am Karfreitag. Aber das Album kann noch mehr: Wie gewohnt mit der gepressten, heiseren Stimme, die bisher im deutschen Rap ziemlich einzigartig ist, spittet sich der selbsternannte Jesus Questus nicht nur den Schmerz von der 'Seele, er verteilt natürlich reihenweise Battle-Klatschen und feiert wie eine Horde Piraten auf Landgang (Anspieltipp: "Partin"). Dass er mich dabei zuweilen an den Seemann aus Simpsons erinnert, darf er mir nicht übel nehmen. Und damit kommen wir auch schon zu einem weiteren Höhepunkt der Scheibe, dem Humor, denn zwischen selbsttherapeutischem Geknurre und Battleraps bleibt noch genug Raum für lustige Augenblicke und zwar nicht nur in den Punchlines. Ganz vorn dabei ist der Seifen-Skit, den man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man eine Verschnaufpause braucht, bei all dem Weltschmerz und Kampfgeist.
